Mittach
Mit einem krachendem „Mahlzeit!“ wird der Start meiner Mittagspause seitens meines Arbeitgebers autorisiert.
Hinaus trete ich an die frische Luft und werde vom Tageslicht geblendet, als würde ich den nächtlichen Weg zur Toilette antreten und das Licht einschalten.
Hinaus aus der Arbeitshöhle, hinein in die Mittagspause.
Inspiriert durch den Niedriglohn und das Vergeuden des Mitbringens eigener, in entsprechende Behältnisse verpackten Fressalien, entscheide ich mich zum Einverleib eines Döners.
Döner, in all seiner Vielfalt, denke ich mir: Stets mit Hähnchen; nicht mit Kalb.
Ich meine irgendwo gelesen zu haben das der Kalbspieß gar nicht so kalbig sei, wie es der Name einem suggeriert. Ein obskures Gemisch aus unterschiedlichen Fleischsorten und essbarem Kleber, der das Fleischmosaik zusammenhält.
Da hau ich mir doch lieber gewissenhaft ein Hähnchen von minderer Qualität rein.
Weitere bahnbrechende dönerspezifische Gedankengänge werden freigesetzt, während ich in jenen vertieft, weiterhin den altbekannten Weg zum altbekannten Dönerladen ab schlendere.
Die notwendige Frage nach der Wahl des Fleisches seitens des Verkäufers könnte man geschickt umgehen und dazu den Bestellprozess beschleunigen, in dem man eine Kombination zweier Wörter vornimmt: Döner und Hähnchen.
Das Ergebnis liegt auf der Hand: Ein Dönchen
Immer wieder gehe ich diese Erkenntnis gedanklich durch, wohl bewusst das jene Erkenntnis keine geistige Glanzleistung ist, aber doch Potenzial hat ein Alltagsphänomen zu werden.
„Dönchen, Dönchen, Dönchen schallt es durch meinen Kopf. Das wäre es doch, oder?“
Wieso ist da keiner vorher draufgekommen?
Zugegeben, ich überlege dieses Wort gleich bei meiner Bestellung zu testen – Hemmungen breiten sich jedoch zügig aus.
Ist das nicht auch gleichermaßen eine Verniedlchung? Werde ich in der maskulinen Atmosphäre eines Dönerladens dafür nicht verspottet, mit Blicken und Wörtern zermalmt, wie es die Knochen des Hänchens werden, um daraus Proteinpulver herzustellen?
Überzeugt von der Sinnhaftigkeit dieses neuen Begriffes, eingeschüchtert von der möglichen Scham, verwerfe ich den Gedanken daran einen solchen Versuch zu tatsächlich unternehmen.
Trotz dessen, lässt mich der Gedanke bis kurz vor meiner Bestellung nicht los, so werde ich von einer forschen Bestellaufforderung aus meinen Gedanken gerissen und ich sage ganz intuitiv:
„Ein Dönchen bitte!“
Der Arsch geht mir auf Grundeis.
Der Verkäufer beäugt mich skeptisch und halbverachtend und fragt:
„Kalb oder Hähnchen?“
Nun auch im Audio-Format.
Ein Hinweis in eigener Sache: Diese Schrift wird in gesprochener Form im Rahmen der 79. Folge des Randomshouts der Podcast vorgetragen.
Hört gerne rein.
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